Zeugen der Vergangenheit

Die in Lavafels geritzten Zeichen Los Letreros und der alte Versammlungsplatz El
Tagoror
Tagoror

Kult- und Versammlungsplatz der altkanarischen Urbevölkerung. Hier versammelten sich die Guanchenführer mit ihren Ratgebern in einem Steinkreis.

sind die hervorstechenden Relikte der, Bimbaches genannten, Ureinwohner El Hierros. Beide Fundstätten liegen in einem unbewohnten, baumlosen Gebiet, dem Steilhang von El Julán im Süden El Hierros. In vergangen Tagen war diese Region bewaldet und die Funde deuten auf eine Besiedlung durch die Bimbaches hin. Heute gehört sie zum Nationalen Kulturerbe Spaniens.
Die Zeichnungen von Los Letreros befinden sich auf zum Meer hin abfallenden, langen Felsplatten. Abstrakte Darstellungen von Menschen und Tieren sowie Kreise, Wellenlinien oder Spiralen sind um 200 v. Chr. mit spitzen Steinen in die Lavaplatten geritzt worden. Den Ursprung der Gravuren haben Archäologen und Historiker noch nicht eindeutig festlegen können. Die Ähnlichkeit mit Symbolen aus Nordafrika und der Sahara unterstützt die Theorie, dass die ersten Einwohner El Hierros, entsprechend der anderen Kanarischen Inseln, afrikanische Wurzeln besitzen. Interessanterweise scheinen die Ritzungen, obwohl auf einer Platte befindlich, aus verschiedenen Kulturstufen zu stammen.
Die 1873 entdeckten Felsgravuren, deren Inhalt noch längst nicht entschlüsselt ist, wurden immer wieder Opfer von Plünderungen durch rücksichtslose Souvenirjäger. Heute ist der Ort bewacht und nur noch im Rahmen von Führungen zu besichtigen.
Eine Tour durch die Vergangenheit und untergegangene Kultur der Bimbachen sollte am Besucherzentrum starten. Hier erhält man Hintergrundinformation über die Fundstätten und die Ureinwohner El Hierros.

Der Besuch der historischen Stätten erfolgt zu Fuß in einem etwa dreistündigen Rundgang. Der Weg führt auf einer Piste zur Küste hinunter, durch ein wunderschönes Gebiet mit Blick auf die weiten Hänge von El Julán und das Meer hinunter. Haltepunkte sind eine antike Wohnhöhle, von den Bimbaches in Fels gehauen und durch eine Steinmauer nach außen gesichert. Spuren deuten darauf hin, dass der Unterschlupf für Haustiere als Stall genutzt wurde.
Es folgt Los Numeros (dt.: die Zahlen), eine Fundstelle von
Petroglyphen
Petroglyphen

Bezeichnung für gravierte, geschabte oder gepickte Felsbilder aus prähistorischer Zeit.

. Diese Steinritzzeichnungen wurden später als Los Letreros (die Schilder) entdeckt. Die Bezeichnungen haben dabei insoweit keine tiefere Bedeutungen, als dass sie der leichteren sprachlichen Trennung der beiden Fundstellen dienen. Ob es sich um Zahlen, Buchstaben oder Zeichen handelt, konnte bis heute bei keiner Fundstätte vollständig geklärt werden.
Danach gelangt man zum
Tagoror
Tagoror

Kult- und Versammlungsplatz der altkanarischen Urbevölkerung. Hier versammelten sich die Guanchenführer mit ihren Ratgebern in einem Steinkreis.

, einem Ort für Versammlungen und kultische Handlungen der Ureinwohner. Direkt an der Abbruchkante der Steilküste befindet sich eine Art Steinaltar. In einem Halbkreis sind Felsen, vermutlich als Sitzgelegenheit, angeordnet. Gestärkt haben sich die Bimbaches bei ihren Versammlungen mit Lapas, einer Schneckenart, die sie auf den Felsen der auf steilen Pfaden zugänglichen Buchten am Meer sammelten. In den Concheros unweit des Tagoror liegen die Reste ihrer Mahlzeiten, die leeren Schneckenschalen. Reste von Steinmauern deuten auf ehemalige Wohnstätten hin. 
Die wichtigste Fundstätte Los Letreros ist der Höhepunkt der Tour. Einige Hundert Zeichen scheinen wahllos auf den flachen Lavasteinen verteilt zu sein. Schematische Darstellungen von Mensch und Tier wechseln sich ab mit geometrischen Formen. Welche Absicht die Bimbachen auch immer mit dieser Dokumentation verfolgten, bleibt vorläufig ein Rätsel.
Dann geht es den Berg hinauf zurück zum Besucherzentrum. Beim dort zum Abschluss folgenden, etwa 10-minütige Film, kann man sich vom Aufstieg erholen.
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