Alltag in der Vergangenheit

Das karge und bestimmt nicht einfache Leben auf El Hierro in der Vergangenheit vergegenwärtigt das Museumsdorf Guinea im Golfo-Tal zwischen Las Puntas und La Frontera. Das heute nicht mehr bewohnte Dorf stellt das Alltagsleben in früheren Zeiten aus. Gut erhaltene und restaurierte Häuser aus verschiedenen Epochen verdeutlichen die historische Entwicklung.
Archäologische Funde belegen, dass bereits die Bimbaches vor der spanischen Eroberung diese Zone bewohnten. Dabei lebten sie in den zahlreichen unterirdischen vulkanischen Gängen, den sogenannten Juaclos. Die spanischen Kolonisatoren verlegten die Wohnstätten auf die Oberfläche und nutzten die Juaclos dank der günstigen Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen fortan als Keller oder Ställe für ihre Tiere.
Die Häuser wurden nur zeitweise bewohnt. Im Winter lebten Bauern aus den nördlichen Dörfern Guarazoca, Erese und El Mocanal dort, um die grünen Weiden für ihr Vieh zu nutzen, und im Sommer zur Weinernte. Sie kamen über den Königsweg La Peña, der heute nicht mehr bis zu dem Dorf Guinea begehbar ist. In den 1950er Jahren gaben die letzten Bewohner das Dorf endgültig auf. Die große Dürre 1948 und die auch deswegen folgende Auswanderungswelle führeten zum sozialen Zusammenbruch der Dorfgemeinschaft.
Das Museumsdorf zeigt heute anschaulich die alte Sozialstruktur und die Verteilung von Wohlstand der Siedlung. Am Aufbau der Häuser lassen sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der einstigen Bewohner gut ablesen.
In der Regel überließen Grundbesitzer ihre Tiere und Felder mittellosen Bauern. Als Gegenleistung erhielten sie einen Teil der Erzeugnisse und/oder einen Pachtzins. So teilte sich die Gemeinschaft in zwei Klassen. Pächter ohne landwirtschaftliches Eigentum lebten in zunehmender wirtschaftlicher Abhängigkeit.

Trotz der Unterschiede erkennt man an allen Wohnstätten die Knappheit an natürlichen Ressourcen, mit der die Menschen El Hierros seit jeher zu kämpfen hatten. Für den Bau der Häuser wurden einfache und schlichte Materialien verwendet, die häufig im Umfeld vorzufinden waren. In der Regel bestand eine häusliche Einheit aus Wohnung, Hof, Wassertank, Obst- und Gemüsegärten und Vieh- und Hühnerställen. Der Grundriss war rechteckig oder L-förmig und zur Sonne hin orientiert. Die dicken Steinmauern trotzen Sonne, Wind und Regen. Selten erhielten sie einen Putz. Die Dächer waren meist aus pflanzlichem Material wie Roggenstroh. Der Wohnbereich hatte selten mehr als einen Raum, der auch nur mit dem Nötigsten ausgestattet war. Fenster waren klein, oder es wurde ganz auf sie verzichtet.
Die einfache und schlichte Wohnweise wird in einigen Häusern des Museumsdorfes mit Nachbildungen oder originalen des ursprünglichen Mobiliars und Hausrats nachgestellt. Echte kleine Weingärten und lebende Tiere in den Höfen lassen die Vergangenheit noch eindringlicher werden.
Ein Besuch Guineas verschafft eine klare Vorstellung darüber, welche Entwicklung die Insel von 1700 bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts durchlaufen haben muss. Echte kleine Weingärten und lebende Tiere in den Höfen lassen die Vergangenheit noch eindringlicher werden. Auch eine der vulkanischen Höhlen darf man zum Schluss der Führung besichtigen.
Das Museumsdorf kann nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Auch deutsch- oder englischsprachige Touren werden nach Bedarf angeboten, jedoch nicht täglich. Eine vorherige Nachfrage ist sicher sinnvoll. Montags ist das Museumsdorf geschlossen. Im Eintrittspreis ist auch eine Führung durch das Lagartario, die Riesenechsenzuchtstation, enthalten.
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