Unterwerfung durch die Europäer

Erst im 13. Jahrhundert wurden die Inseln von verschiedenen Seefahrern aus europäischen Ländern wiederentdeckt. Als 1312 der Genueser Lancelotte Molocello auf Lanzarote landete und dort einige Jahre blieb, war dies nicht ohne Folgen für den Archipel. Einige Jahre später, 1341, betraten schließlich die ersten Seeleute El Hierro. Der Lissabonner Kapitän Rodríguez Martín war begeistert von der Insel und das Interesse der europäischen Herrscherhäuser erwachte mehr und mehr.

Mit konkreten Eroberungsabsichten stach der normannische Adlige Jean de Béthencourt mit Richtung Kanaren in See. Er handelte im Auftrag Heinrich III, des kastilischen Königs. Nachdem zunächst Lanzarote im Jahre 1402 eingenommen wurde, war 1405 Fuerteventura an der Reihe. Die Eroberung El Hierros gelang noch im selben Jahr durch eine List.
Bei vorangegangenen Überfällen gelang es den Söldner um Bethencourt, den Bimbache Augerón, einen nahen Verwandten des Bimbaches-Königs Armiche, gefangen zu nehmen. Dieser sollte den König mit der Aussicht auf einen Pakt für ein Treffen in der Bucht Bahía de Naos ködern. Trotz anfänglicher Zweifel lies sich Armiche überreden. Dieses Vertrauen mussten er und sein Volk dann teuer bezahlen.
Das Ende der Bimbaches war besiegelt. Wer sich nicht ergab, starb und der Rest wanderte in Gefangenschaft und Sklaverei. Die Bimbaches wurden schnell assimiliert. In nur wenigen Jahrzehnten vermischten sie sich mit mehr oder weniger freiwillig mit den Kolonisatoren. An den Versuchen, die restlichen Inseln zu erobern, scheiterte Béthencourt anschließend.
Ab dem Jahre 1418 wurden die Kanarischen Inseln, und damit auch El Hierro, mehrfach verkauft und getauscht bis schließlich der Papst 1479 als internationale Rechtsinstanz den Atlantik zwischen den Kolonialmächten Spanien und Portugal aufteilte. Im Vertrag von Alcâcovas wurden die Kanaren endgültig Spanien zugesprochen. Erst danach wurden Gran Canaria, La Palma und Teneriffa auch tatsächlich durch die Spanier von den Einheimischen erobert.

El Hierro unter Feudalherrschaft

Nach der Rückkehr Jean de Béthencourts nach Europa vertrat ihn sein Neffe Maciot bei der Ausübung der Herrschaft. Tyrannei und Gewalt bestimmen diese Zeit, die Zustände sind so schlimm, dass das kastilische Herrscherhaus eine Flotte aussendet, mit dem Ziel ihn unter Kontrolle zu bringen. Im Verlauf werden El Hierro und die anderen Kanarischen Inseln mehrfach verkauft und überlassen. Zahlreiche Adlige erheben Anspruch auf die Inseln. Schließlich gelangt El Hierro als Lehen in den Besitz der Grafen von Gomera.
Das Feudalsystem teilt die Bevölkerung El Hierros in drei Klassen. An der Spitze stehen Adel und Klerus, Großgrundbesitzer und reiche Kaufleute. Von ihnen abhängig sind die kleinen Bauern, Handwerker, Tagelöhner und einfache Landarbeiter. Völlig rechtlos waren die Sklaven, aus den Reihen der
Guanchen
Guanchen

bedeutet in der Sprache der Ureinwohner Teneriffas soviel wie »Söhne Teneriffas«. Heute gebräuchliche Sammelbezeichnung der vorspanischen Bewohner des Kanarischen Archipels.

oder in Raubzügen nach Afrika gefangene Mauren und Schwarze.
Als wichtiger Punkt im Seehandel zwischen den Kolonien Spaniens in Amerika und dem Mutterland und dank der intensiven Landwirtschaft gelangten zumindest die größeren Inseln zu Wohlstand und Bedeutung. Dies machte sie für Piraten- und Freibeuterüberfälle attraktiv. Dieses Rauben und Brandschatzen hielt bis ins 19. Jahrhundert an. Und selbst das vergleichsweise arme El Hierro musste lange unter den Raubzügen arabischer Piraten leiden, die sich auf Viehdiebstahl und Sklavenjagd spezialisiert hatten.
Für die einfachen Menschen war die Feudalzeit auf El Hierro weitgehend von Entbehrungen geprägt. Abgesehen von den Überfällen verloren die Bauern regelmäßig ihre Ernten durch Naturkatastrophen wie Dürren oder Waldbrände. Ihre ständig steigenden Abgaben an ihre Lehnsherren mussten sie dennoch leisten, was zu viel Verbitterung und Auswanderungsgedanken in die neuen Kolonien, z.B. nach Kuba, führte.
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