Höhlenkunde

Höhle und Hölle klingen im Deutschen recht ähnlich. Das ist sicherlich nur ein Zufall. Dennoch sahen im Altertum viele Völker Höhlen als Tore zur Unterwelt an. Unter diesem Gesichtspunkt hätte ihnen El Hierro sehr unheimlich sein müssen. Von diesen Zugängen zum „Reich der Toten“ besaß und besitzt die kleine Insel im äußersten Südwesten der Kanaren nämlich eine ganze Menge.
Wie so viele geologischen Erscheinungen auf den kanarischen Inseln, so haben auch die Höhlen El Hierros ihren Ursprung in vulkanischen Aktivitäten. Immer wieder kam es vor, dass die äußere Schicht eines Lavaflusses schneller erkaltete als die innere. Diese floss, quasi in einer von der äußeren Schicht gebildeten Kammer weiter in Richtung Meer und erkaltete erst dort. Als der Lavafluss aus der Inselmitte abebbte, blieb allein die von der äußeren Schicht gebildete Kammer übrig, in deren Inneren auf diese Weise ein Hohlraum entstand, eben jene Höhlen, die Touristen heute bestaunen können. Doch ist dies nur eine Entstehungsform der hiesigen Höhlen. Andere Hohlräume wurden durch Gasblasen geschaffen.
Von einer Erkundung jener Höhlen auf eigene Faust ist jedoch dringend abzuraten. Schon mancher Hobbyentdecker hat sich in den teilweise weitverzweigten Höhlenkomplexen verlaufen. Sich immer wieder ereignende Einstürze sind außerdem unvorhersehbar und lebensgefährlich.
Cueva de Don Justo
Im Süden El Hierros, unweit La Restingas, befindet sich die Cueva de Don Justo, die größte Höhle der Insel. Sie ist mit einem weitverzweigten System von Lavatunneln verbunden. Mehr als 6,3 Kilometer des Tunnelsystems wurden bislang erforscht. In dem System leben verschiedene Tierarten, von denen manche außerhalb der Höhle nicht vorkommen.
Der Eingang zur Höhle befindet sich an der Straße von La Restinga nach El Pinar. Zwei Kilometer hinter dem Ortsausgang liegt sie 50 Meter von der Straße entfernt. Da die Höhlendecke recht niedrig ist, kann man sich in der Höhle nur gebückt fortbewegen. Überraschenderweise sind die Temperaturen vergleichsweise hoch. Mit Temperaturen von über 20 Grad Celsius ist die Cueva de Don Justo eine der wärmsten Höhlen der Kanarischen Inseln.
Auf Grund des labyrinthischen Charakters der Höhle ist dringend davon abzuraten, die Höhle ohne kundigen Führer erforschen zu wollen. Bei der Touristeninformation in La Restinga können entsprechende Kontaktdaten eingeholt werden.

Cueva del Diablo
Südöstlich von Tacorón befindet sich ein Felsüberhang, der Cueva del Diablo, die »Höhle des Teufels«, genannt wird. Von einem Hinweisschild aus führt ein schwieriger Fußmarsch binnen etwa 20 Minuten hinauf zur Öffnung der Höhle. Es sei dringend abgeraten, die Wanderung bei unruhiger See oder starkem Wind zu unternehmen.
Cueva del Acantilado
Am westlichsten Ende der Insel, an der Punta de Orchilla, unweit des Faro de Orchilla, gibt es ebenfalls eine Höhle. Vor dem Wendeplatz führt links ein Pfad zu einem kleinen Hügel und direkt zum Einstieg in die Höhle. Der Einstieg in die Cueva del Acantilado wurde begehbar gemacht. Mit einer guten Taschenlampe lässt sich die Höhle vorsichtig durchstreifen. Nach etwa 300 Metern gelangt man zu einem kleinen Balkon, auf dem man direkt über dem Meer steht. Hier sollte man sich nur vorsichtig herantasten. Außerdem sollte man beim Gehen unbedingt auf den steinigen Boden und die niedrige Decke achten.
Montaña de las Cuevas
In der Nähe der
Ermita
Ermita

Einsiedelei als Ort der Andacht und Kontemplation; auf den Kanaren werden auch Kapellen so bezeichnet.

de Los Reyes befindet sich die 758 Meter hohe Montaña de las Cuevas, der »Berg der Höhlen«. Wie der Name schon andeutet, handelt es sich hierbei um einen Berg, der durch eine Vielzahl an Höhlen charakterisiert wird. Viele der Höhlen wurden früher von den Bimbaches genutzt und auch heute noch findet man sich hier in der Nacht vor der Bajada ein. Eine der Höhlen, die Cueva del Caracol war einst die erste Kapelle der Virgen de Los Reyes.
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