Die großen Echsen El Hierros

Furchterregende Tiere, so groß wie Katzen, vermerkten Anfang des 15. Jahrhunderts die Chronisten der Eroberung der Kanaren und damit auch El Hierros durch die Konquistadoren um Jean de Bethencourt. Und auch Plinius der Ältere wusste von eigentümlichen Tieren am westlichen Ende der Welt zu berichten. Sicher aber ist, dass El Hierro seit Urzeiten von Großeidechsen bevölkert ist. Die heute auf El Hierro lebende Rieseneidechse Lagarto gigante (wiss.: Gallotia Simonyi simonyi) galt lange Zeit als ausgestorben, bis 1972 ein Hirte eine Kolonie an der Steilwand Fuga de Gorreta bei Las Puntas entdeckte. Die Entdeckung erregte großes Aufsehen und die gefährdete Art wurde bald unter Naturschutz gestellt.
Tausende von Jahren fristeten Rieseneidechsen auf den Kanarischen Inseln ein weitgehend ungestörtes Dasein ohne natürliche Feinde. Dies sollte sich mit der Besiedlung durch die Menschen ändern. Auf El Hierro sahen die Bimbaches bald eine Nahrungsquelle in den Tieren und eröffneten die Jagd auf diese. Noch schlimmer kam es für die Echsen nach der Eroberung der Insel. Die von den Europäer mitgebrachten Ziegen und Schafe entwickelten sich zu Futterkonkurrenten, Hunde und Katzen waren Fressfeinde und die Kultivierung der Insel raubte den Reptilien zunehmend Lebensraum. Ihr letztes Rückzugsgebiet waren die schwer zugänglichen Felsen Roques de Salmor. Doch auch dort waren sie nicht mehr sicher. Durch die wissenschaftliche Beschreibung durch den österreichischen Naturforscher Franz Steindachner gerieten sie ab 1889 wieder in den Fokus der Welt. Forscher und Neugierige begannen mit der Jagd auf den Lagarto gigante. Viele wurden gefangen genommen, ausgestopft und an Museen oder Sammler verkauft. Um 1930 wurde sie offiziell für ausgestorben erklärt.

So kam es einer Sensation gleich, als in den 1970er Jahren eine kleine Kolonie wiederentdeckt wurde. Eine Zuchtanlage stellt bis heute das Überleben der Art sicher. Die ersten gesichteten Exemplare gehörten eigentlich zu einer kleineren Unterart (wiss.: Gallotia Simonyi machadori) der ursprünglichen Lagartos gigantes. Inzwischen wurden jedoch auch auf den Roques Salmor noch lebende Exemplare der Galloti simonyi simonyi entdeckt.
In der Zuchtstation Lagartario auf El Hierro erreichen die Rieseneidechsen eine Durchschnittsgröße von ca. 60 cm mit einem Gewicht von 400 g. Es wird geschätzt, dass sie in Gefangenschaft ein Alter von bis zu 40 Jahren erreichen kann. Die ältesten Exemplare haben heute etwa 30 Jahre auf dem Buckel.
Lagarto gigante erkennt man an einem dunkelgrau-bräunlichen Schuppenpanzer, der über eine helle Musterung an den Seiten verfügt. Der Körper wirkt kräftig und gedrungen, der Schwanz ist lang, schuppig und wirkt elegant. Mit den ausgeprägten Greifzehen sind steile Baumstümpfen und glatte Felswände keine große Herausforderung. Die herrenische Rieseneidechse ist ein Allesfresser. Sie frisst Pflanzen, Insekten und gelegentlich auch Aas. Die Paarungszeit beginnt im Mai und von Juni bis Ende August kommt es zur Ablage von 5 bis 13 Eiern. Die Jungtiere entschlüpfen den Eiern nach Tagen.
Es ist gelungen, Kolonien auf dem Roque Chico de Salmor, in Laderas del Julán und in El Sabinar de la Dehesa neu anzusiedeln. Diese Gegenden sind für Menschen schwer zugänglich und bieten genügend Schlupfwinkel für die bedrohten Echsen. Frei gelassene Tierchen bekommen einen Mikrochip unter die Haut gepflanzt, um die Auswilderungserfolge zu überprüfen und weitere Forschungen über das Verhalten der Tiere zu ermöglichen.